Was ist HIV und Aids?

HIV (Human Immunodeficiency Virus) ist die englische Bezeichnung für das Virus, das für die mögliche Aids-Erkrankung verantwortlich ist und bedeutet menschliches Immunschwächevirus.

HIV-infiziert zu sein bedeutet nicht automatisch, an AIDS erkrankt zu sein. In den meisten Fällen bricht nach einer gewissen Zeit (bis zu 15 Jahren oder mehr) das Krankheitsbild AIDS aus, das schließlich zum Tod führt.

AIDS steht für Acquired Immune Deficiency Syndrome, erworbenes Immunschwäche Syndrom. Ein vielfältiges und schweres Krankheitsbild mit unterschiedlichen Symptomen (schwere Verläufe von Lungenentzündungen, Krebserkrankungen, etc.)

Die HIV-Erkrankung ist nach wie vor nicht heilbar, aber wenn rechtzeitig mit einer sogenannten antiretroviralen Therapie (ART) gegen den HI-Virus begonnen und konsequent durchgeführt wird, sind die Chancen gut, über viele Jahrzehnte mit HIV ein erfülltes Leben zu leben zu führen, ohne dass eine Aidserkrankung jemals ausbricht.

Eine stabile und erfolgreiche HIV-Therapie kann die HIV-Konzentration im Körper (die sogenannte Viruslast) und somit das Ansteckungsrisiko für andere senken. Liegt die Viruslast einer hiv-infizierten Person seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze, werden die antiretroviralen Medikamente konsequent eingenommen und liegen keine Schleimhautdefekte vor, ist eine HIV-Übertragung relativ unwahrscheinlich. Werden zusätzlich Kondome verwendet, ist das Restrisiko gleich Null.

Wie wird HIV übertragen?

Es gibt bestimmte Übertragungswege, wie das Virus in deinen Körper gelangen kann. Am häufigsten wir HIV beim Sex ohne Kondom übertragen.

  • Sexuelle Übertragung
    • ungeschützter Vaginalverkehr (Einführen des Penis in die Scheide)
    • ungeschützter Analverkehr (Einführen des Penis in den After)
    • ungeschützter Oralverkehr (sexuelle Befriedigung des Partners/der Partnerin mit dem Mund) mit einem infizierten Sexualpartner/einer infizierten Sexualpartnerin (durch Sperma, Blut und Scheidenflüssigkeit)
  • Übertragung beim Drogengebrauch
    • gemeinsame Benutzung von Spritz-Utensilien oder andere Konsum-Utensilien, z.B. Ziehröhrchen
  • Mutter-Kind-Übertragung
    • während der Schwangerschaft, beim Stillen, aber vor allem bei der Geburt

Und wie sieht es beim Tätowieren und Piercen aus?

Während genehmigte Tattoo- und Piercing-Studios in Deutschland relativ strikten Hygienevorschriften unterliegen, fehlen entsprechende Standards in vielen Ländern. Experten warnen daher davor, sich in fernen Ländern Tätowieren oder Piercen zu lassen: Das Infektionsrisiko für Hepatitis B, Hepatitis C und HIV ist hoch.

Auch in Deutschland empfiehlt es sich, das Piercing oder Tattoo-Studio deiner Wahl auf folgende Hygienestandards zu überprüfen und genau nachzufragen:

  • alle an der Haut oder Schleimhaut eingesetzten Geräte und Instrumente wurden sterilisiert
  • Haut- und Schleimhautoberflächen werden vor dem Eingriff desinfiziert
  • beim Eingriff werden konsequent sterile Einmalhandschuhe getragen
  • Ablageflächen werden vor und nach dem Eingriff desinfiziert
  • Abfälle (z. B. Hohlnadeln) werden sachgemäß entsorgt

Wie wird HIV nicht übertragen?

  • Küssen, Umarmen, Streicheln, Händedruck
  • Anhusten & Anniesen
  • Benutzung des selben Geschirrs und Bestecks
  • Mückenstiche
  • Benutzung öffentlicher Toiletten, Schwimmbäder, Saunen.

Und wie hoch ist das Risiko, sich durch eine Blutspende mit HIV zu infizieren?

Durch die Testung aller Blutspender und aufgrund bestimmter Herstellungsverfahren wird weitgehend sichergestellt, dass Blutprodukte kein HIV enthalten.

Wie kannst Du Dich schützen?

Den größten Schutz vor sexueller Übertragung erreichst du durch "Safer Sex, Vaginal- und Analverkehr immer mit Kondom. Bei den Kondomen sollten ausschließlich Kondome in geprüfter Qualität mit CE-Kennzeichen bzw. Aufdruck DIN EN ISO 4074:2002 benutzt werden. Beim Kauf unbedingt auch auf das Haltbarkeitsdatum und eine unbeschädigte Verpackung achten. Bei der Verwendung von Gleitgel dürfen ausschließlich kondomverträgliche, also fettfreie Produkte verwendet werden.
Beim Oralverkehr sollten keinerlei Körperflüssigkeiten (Sperma, Scheidensekret, Menstruationsblut) in Mund oder Augen gelangen. Wenn es trotzdem mal passiert ist, Augen und Mund möglichst schnell mit Wasser ausspülen.

Wenn das Kondom mal gerissen ist oder vergessen wurde, sollten Reste von Körperflüssigkeiten vorsichtig entfernt werden. Von Darm- und Scheidenspülungen ist allerdings abzuraten, da es aufgrund möglicher Verletzungen das Infektionsrisiko weiter erhöht.

HIV-PrEP: was ist das?

PrEP ist die Abkürzung für Präexpositionsprophylaxe, übersetzt heißt das in etwa „Vor-Risiko-Vorsorge“. Bei einer PrEP nehmen HIV-negative Menschen ein HIV-Medikament vorbeugend ein, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen.

Das HIV-Medikament Truvada enthält zwei Wirkstoffe (Emtricitabin und Tenofovirdisoproxil) und verhindert die Vermehrung der eingedrungenen Viren und damit die Infektion. Man bleibt HIV-negativ.

Achtung: Vor der Einnahme muss ein HIV-Test sicherstellen, dass die Person HIV-negativ ist. Ist der / die Betroffene HIV-positiv, können sich durch die Einnahme von Truvada die HI-Viren vermehren oder gegen manche HIV-Medikamente resistent werden.

Truvada ist ein gut verträgliches Medikament, in seltenen Fällen treten Übelkeit, Durchfall, Kopf- und Bauchschmerzen auf. Die dauerhafte Einnahme vermindert die Leistungsfähigkeit der Niere, daher sollte die Nierenfunktion vor der Einnahme und in regelmäßigen Abständen überprüft werden.

Die Kosten für eine PrEP werden bisher nicht von den Krankenkassen übernommen. Sie liegen momentan bei ca. 800,- € im Monat. Da ist es kein Wunder, daß viele Betroffene sich die teuren Medikamente im Ausland oder auf dem Schwarzmarkt besorgen. Dies ist mit zusätzlichen Risiken verbunden.

Von Selbstversuchen ist dringend abzuraten! Wichtig sind auf jeden Fall eine gute ärztliche Beratung, Vorbereitung und Begleitung der PrEP. 

HIV-PEP: was ist das?

Wenn jemand ein erhöhtes Infektionsrisiko hatte (z.B. ungeschützter Vaginal- oder Analverkehr mit einem HIV-positiven Sexualparter/in), gibt es die Möglichkeit einer Post-Expositions-Prophylaxe (HIV-PEP). Diese medizinisch aufwendige Behandlung ist auf keinen Fall mit der „Pille danach“ zur Verhinderung einer ungewollten Schwangerschaft zu vergleichen!

Hierbei werden über einen Zeitraum von vier Wochen vorsorglich Anti-HIV-Medikamente verabreicht, diese sollen eine Einnistung des HIV-Virus verhindern.

Wichtig: Mit einer PEP muss so schnell wie möglich nach dem HIV-Risikokontakt begonnen werden. Am besten innerhalb von zwei Stunden, sonst möglichst innerhalb von 24 Stunden, spätestens nach 48 Stunden. Ob eine PEP bis zu 72 Stunden (drei Tage) nach dem Risiko noch sinnvoll sein kann, ist umstritten.

Ob die HIV-PEP tatsächlich die Einnistung des Virus verhindern kann, ist leider nicht ganz sicher.

Die Kosten für die HIV-PEP werden von den Krankenkassen übernommen, wenn tatsächlich ein Infektionsrisiko bestanden hat.

Hier findest du Adressen aller Kliniken, die eine HIV-PEP anbieten

Der HIV-Test

Der HIV-Test schafft Gewissheit, ob eine HIV-Infektion vorliegt oder nicht. Nach einer Ansteckung mit HIV können Antikörper mit heute üblichen Testverfahren schon nach drei bis sechs Wochen, spätestens nach drei Monaten zuverlässig nachgewiesen werden. Wer also auf Nummer sicher gehen will, macht den HIV-Test drei Monate nach dem Risikokontakt.

Sei dir darüber bewusst, dass ein negatives Ergebnis (kein Nachweis von Antikörpern) nur eine begrenzte Aussagekraft hat!

Es bedeutet lediglich, dass drei Monate vor der Blutabnahme keine HIV-Infektion vorlag. Hattest du in diesen drei Monaten erneute Risikokontakte, kannst du trotz negativen Testergebnisses, HIV-infiziert sein und somit für andere potentiell ansteckend.

Vorsicht vor HIV-Schnelltests: Im Internet werden auch sogenannte HIV-Schnelltests angeboten. Bereits kleine Fehler in der Anwendung können zu einem falsch-positiven oder falsch-negativen Ergebnis führen.

„positiv“ – was nun?

Ein positiver HIV-Test ist für die meisten ein großer Schock, der mit einer Vielzahl an Ängsten verbunden ist: Angst vor einem möglicherweise früheren Tod, Angst vor schweren Krankheiten, Angst andere mit dem Virus anzustecken, Angst vor den Reaktionen von Partner/in, Freunden und Familie. Es ist das Gefühl, als würde einem der Boden unter den Füssen weggerissen.

Falls du dich mit der ganzen Situation überfordert fühlst, dann hole dir professionelle Hilfe z.B. in den regionalen HIV & Aids Beratungsstellen:

AIDS - Beratung der Caritas
Münchner Aidshilfe
Deutsche Aidshilfe
»HIV & AIDS« - Telefonberatung der BZgA

Das Wichtigste vorweg: Auch wenn es dir im Moment so vorkommt, dein Leben ist ganz bestimmt nicht vorbei. Du kannst ein fast ganz normales Leben führen! Die HIV-Erkrankung ist kein Grund zu resignieren und auf Zukunftsplanung zu verzichten!

Die heutigen antiretroviralen Medikamente ermöglichen Menschen mit einer HIV-Infektion ein fast ganz normales Leben, ohne dass die Aidserkrankung jemals ausbricht und auch die Lebenserwartung ist kaum geringer im Vergleich mit einem Nicht-Infizierten.

MitSicherheitBesser

Weiter Informationen zu HIV und AIDS findest du auch unter MitSicherheitbesser.de

MitSicherheitBesser!