Baller-Liquids

Was sind Baller-Liquids?

„Baller-Liquid“, „Görke“ oder „Zombie-Liquid“ sind Szenenamen für Flüssigkeiten, die über E-Zigaretten oder Vapes inhaliert werden und berauschende Wirkstoffe enthalten können. Der Inhalt kann von Produkt zu Produkt variieren. In solchen Liquids kommen unter anderem synthetische Cannabinoide vor. In Vape-Liquids wurden außerdem synthetische Opioide nachgewiesen. Ein Produkt kann mehrere Wirkstoffe enthalten. Welche das sind und wie hoch sie dosiert sind, lässt sich anhand des Namens, des Geschmacks oder der Verpackung kaum beurteilen.

Wie bei anderen Vapes und E-Zigaretten erhitzt das Gerät die Flüssigkeit. Dabei entsteht ein Aerosol, das du einatmest. Übliche Liquids enthalten als Grundlage oft Propylenglykol und Glycerin, dazu gegebenenfalls Aromen und Nikotin. Bei Baller-Liquids kommen berauschende Wirkstoffe hinzu, die beim Inhalieren über die Lunge aufgenommen werden. Die allgemeinen Risiken des Dampfens, etwa gereizte Atemwege, bestehen ebenfalls. Hinzu kommt das Risiko einer akuten Vergiftung durch die enthaltenen Wirkstoffe.

Vorsicht bei vermeintlichen CBD-Liquids

Manche Baller-Liquids werden als „CBD-Liquid“ verkauft. CBD (Cannabidiol) allein verursacht keinen cannabisartigen Rausch. Wenn ein vermeintliches CBD-Liquid stark berauscht oder ungewöhnlich benommen macht, können andere Wirkstoffe enthalten sein. Welche es sind, lässt sich aus der Wirkung allein nicht ableiten. Auch die Angabe „nikotinfrei“ sagt nichts darüber aus, ob andere psychoaktive Stoffe enthalten sind.

Wirkung und Wirkdauer

Synthetische Cannabinoide

Synthetische Cannabinoide wirken an denselben Andockstellen im Gehirn wie THC, der hauptsächlich berauschende Wirkstoff in Cannabis. Viele aktivieren diese Andockstellen stärker als THC. Die Wirkung kann sich zunächst cannabisähnlich anfühlen. Sie kann aber auch in starke Angst, Verwirrtheit oder Halluzinationen übergehen. Mögliche körperliche Folgen sind Herzrasen, Erbrechen und Kreislaufprobleme. Bei schweren Vergiftungen können unter anderem Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen und Bewusstlosigkeit auftreten.

Synthetische Opioide

Opioide können beruhigen, schläfrig machen und euphorisierend wirken. Bei einer Überdosierung dämpfen sie den Atemantrieb. Die Person atmet dann zu langsam, zu flach oder unregelmäßig. Im schlimmsten Fall setzt die Atmung aus. Wer nach dem Dampfen kaum weckbar ist und auffällig atmet, braucht sofort ärztliche Hilfe!

Ein Beispiel aus Bayern ist Etodezitramid. Das Bayerische Landeskriminalamt berichtete über zwei Todesfälle und zwei schwere Vergiftungen nach dem Konsum von Mischungen mit diesem synthetischen Opioid über Vapes. In Australien wurde Protonitazen, ein Wirkstoff aus der Gruppe der Nitazene, im Zusammenhang mit nachfüllbaren Vape-Liquids nachgewiesen. Ein Teil der Liquids war als cannabinoidhaltig beschrieben worden. Diese Befunde zeigen, welche Wirkstoffe vorkommen können. Wie häufig Opioide in Baller-Liquids enthalten sind, lässt sich daraus nicht ableiten.

Warum sich die Wirkung schwer einschätzen lässt

Beim Inhalieren kann die Wirkung schnell einsetzen. Wie stark sie ausfällt und wie lange sie anhält, hängt vom Wirkstoff und der aufgenommenen Menge ab. Die Anzahl der Züge ist dafür ein schlechter Maßstab. Wie viel Wirkstoff du mit einem Zug aufnimmst, hängt unter anderem von der Konzentration im Liquid, dem Gerät und davon ab, wie du ziehst. Bei einem hochwirksamen Stoff kann bereits eine kleine Menge eine schwere Vergiftung auslösen. Auch wenn du ein ähnlich aussehendes Liquid schon einmal vertragen hast, kann das nächste anders zusammengesetzt sein.

Besondere Risiken durch verunreinigte und falsch deklarierte Liquids

Besondere Risiken bestehen bei selbst gemischten Liquids sowie bei Produkten aus unseriösen Online-Shops oder unbekannten Quellen. Häufig ist unklar, welche Inhaltsstoffe tatsächlich enthalten sind und in welcher Konzentration sie vorliegen.

Problematisch sind insbesondere Öle und andere Zusatzstoffe, die nicht zum Inhalieren geeignet sind. So wurden in den USA schwere Lungenschädigungen im Zusammenhang mit THC-haltigen Liquids festgestellt, die mit Vitamin-E-Acetat versetzt waren. Solche Verunreinigungen können schwere Entzündungsreaktionen und lebensbedrohliche Lungenschäden verursachen.

Ein weiteres Risiko sind falsch deklarierte Liquids. Beispielsweise können vermeintliche CBD-Liquids statt Cannabidiol (CBD) hochpotente synthetische Cannabinoide enthalten. Auch synthetische Opioide können in illegal vertriebenen Vape-Produkten vorkommen. Bereits geringe Mengen bestimmter Wirkstoffe können schwere Vergiftungen und lebensgefährliche Überdosierungen verursachen.

Besonders problematisch ist, dass sich die tatsächliche Zusammensetzung eines Liquids weder am Aussehen noch am Geruch oder Geschmack zuverlässig erkennen lässt.

Auch die langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen des Konsums von Vapes und E-Zigaretten sind noch nicht vollständig geklärt. Bekannt ist jedoch, dass beim Verdampfen gesundheitsschädliche Stoffe entstehen oder freigesetzt werden können, die insbesondere die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System belasten.

Mischkonsum

Bei unbekannter Zusammensetzung lässt sich schwer einschätzen, welche Wechselwirkungen auftreten. Besonders gefährlich ist ein opioidhaltiges Liquid zusammen mit Alkohol, Benzodiazepinen, GHB/GBL oder anderen Opioiden. Diese Stoffe können sich in ihrer dämpfenden Wirkung auf Bewusstsein und Atmung verstärken. Das gilt auch dann, wenn du gar nicht damit rechnest, ein Opioid zu konsumieren.

Abhängigkeit und Entzug

Synthetische Cannabinoide und Opioide können stark abhängig machen. Bei regelmäßigem Konsum kann sich eine Toleranz entwickeln. Das bedeutet, dass du mehr brauchst, um dieselbe Wirkung zu spüren. Wenn du nach einer Pause wieder ein Opioid konsumierst, kann deine Toleranz gesunken sein. Eine früher gewohnte Menge kann dann eine gefährliche Überdosierung auslösen.

Beim Reduzieren oder Weglassen können zum Beispiel Unruhe, Schlafprobleme, Schwitzen, Übelkeit oder starker Konsumdruck auftreten. Solche Beschwerden können sich bei verschiedenen Wirkstoffen überschneiden. In Australien mussten Menschen nach längerem Gebrauch von Vape-Liquids wegen schwerer Opioidentzugssymptome behandelt werden. Wenn du häufig dampfst und dich ohne das Liquid körperlich schlecht fühlst, lass die Beschwerden ärztlich abklären. Eine Suchtberatungsstelle kann dich bei den nächsten Schritten unterstützen.

Safer Use-Hinweise

Bei einem Liquid mit unbekanntem Inhalt lässt sich keine sichere Dosis angeben. Das Risiko einer Vergiftung durch das Liquid vermeidest du, indem du es nicht verwendest. Wenn du trotzdem konsumierst, kannst du einige Risiken verringern.

  • Verzichte auf Mischkonsum, besonders mit Alkohol, Benzodiazepinen, GHB/GBL und Opioiden.
  • Konsumiere nicht allein. Sag einer nüchternen Vertrauensperson, was du konsumierst, damit sie im Notfall reagieren kann.
  • Zieh nicht weiter, wenn die Wirkung unerwartet ausfällt. Wenn du auffällig müde wirst, dir schwindlig wird oder du dich verwirrt fühlst, sag sofort jemandem Bescheid.
  • Gib ein Liquid mit unbekanntem Inhalt nicht weiter. Frag bei einer angebotenen Vape nach dem Inhalt. Angaben wie „CBD“ oder „nikotinfrei“ reichen für eine Einschätzung nicht aus.
  • Frag bei einem Drug-Checking-Angebot nach, ob es Liquids analysieren kann. Ein negativer Schnelltest schließt andere Wirkstoffe oder nicht erfasste Opioide nicht aus.

Was tun im Drogennotfall?

Ruf sofort 112, wenn jemand nach dem Dampfen nicht weckbar ist, auffällig langsam oder unregelmäßig atmet, einen Krampfanfall hat oder starke Brustschmerzen bekommt. Du musst nicht wissen, was im Liquid war, um Hilfe zu holen.

  1. Prüfe Bewusstsein und Atmung. Ist die Person bewusstlos und atmet normal, bring sie in die stabile Seitenlage. Bleib bei ihr und kontrolliere die Atmung regelmäßig.
  2. Beginne bei fehlender normaler Atmung sofort mit der Wiederbelebung. Auch vereinzeltes Schnappen nach Luft ist keine normale Atmung. Die Leitstelle leitet dich an.
  3. Gib bei Verdacht auf eine Opioidüberdosierung Naloxon, wenn es verfügbar ist, und folge der Gebrauchsanweisung. Notruf und Wiederbelebung haben Vorrang. Auch wenn die Person wieder zu sich kommt, bleib bei ihr. Die Atemstörung kann zurückkehren.
  4. Sag dem Rettungsdienst, was du weißt. Gib an, dass ein Liquid inhaliert wurde und welche weiteren Substanzen möglicherweise im Spiel waren. Halte die Vape oder die Verpackung bereit, falls sie griffbereit ist.

Mehr dazu unter Was tun im Drogennotfall?

Gesetzeslage

Die rechtliche Einordnung in Deutschland hängt vom enthaltenen Wirkstoff ab. Je nach Stoff kann das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) oder das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) greifen. Der Produktname, die Angabe „CBD“ oder ein frei zugängliches Verkaufsangebot geben darüber keine verlässliche Auskunft.

Beratung und Unterstützung

Du hast Fragen zu Baller-Liquids, möchtest deinen Konsum verändern oder machst dir Sorgen um jemanden? Du kannst dich an uns über unsere vertrauliche Onlineberatung oder eine Suchtberatungsstelle wenden. Du kannst auch dann mit uns sprechen, wenn du noch nicht weißt, ob du deinen Konsum verändern möchtest. Auch Fragen, Unsicherheiten oder unangenehme Konsumerfahrungen sind ein guter Anlass, Unterstützung zu suchen.