
Substanz
Synthetische Cannabinoide (z.B. MDMB-4en-PINACA, ADB-BUTINACA) sind künstlich hergestellte Stoffe, die an den gleichen Rezeptoren im Gehirn wirken wie der Cannabis-Wirkstoff THC (Tetrahydrocannabinol). Im Gegensatz zu THC, welches als Teil-Agonist wirkt, wirken die meisten synthetischen Cannabinoide als Voll-Agonisten. Somit ist die Wirkung wesentlich potenter und schwerer kontrollierbar als die von natürlichem THC.
Weiter gibt es halbsynthetische Cannabinoide. Diese Wirkstoffe werden aus natürlichen Cannabinoiden wie CBD oder aus Nutzhanf gewonnen und im Labor weiterverarbeitet. Zu den bekanntesten Vertretern zählen u.a. HHC (Hexahydrocannabinol) und Delta-8-THC.
Einige halbsynthetische Cannabinoide scheinen ähnlich wie THC an den Cannabinoid-Rezeptoren zu wirken. Allerdings gilt: Bei neu auftretenden Stoffen ist die genaue Wirkweise, Potenz und Toxizität oft unklar, da diese Substanzen meist nicht erforscht sind.
Darreichungsformen und Vermarktung
Synthetische und halbsynthetische Cannabinoide verfügen über eine vielfältige chemische Struktur: Es gibt hunderte verschiedene Varianten, die ständig verändert werden, um gesetzliche Verbote zu umgehen. Sie treten in unterschiedlichen Darreichungsformen auf, z.B. als Pulver (Reinsubstanz oder Mischungen), Edibles (essbare Produkte wie Gummibärchen) oder in flüssiger Form als Liquids für E-Zigaretten / Vapes.
Zudem können sie auf getrocknetes Pflanzenmaterial aufgesprüht, als fertige Räuchermischung verkauft oder auf Cannabis-Blüten aufgetragen sein. Häufig handelt es sich dabei um CBD-Cannabis, das nachträglich mit synthetischen Wirkstoffen versetzt wurde.
Bei essbaren Produkten ist besondere Vorsicht geboten: Durch den verzögerten Wirkungseintritt besteht ein erhöhtes Risiko, zu früh nachzudosieren.
Häufig handelt es sich um hochkonzentrierte Wirkstoffe, die über Online-Shops oder Social-Media angeboten, als angeblich „legal“ vermarktet und mit irreführenden Versprechen beworben werden. Das Problem dabei: Es gibt keine verlässlichen Qualitätskontrollen. Ständig tauchen neue und kaum erforschte Wirkstoffe auf, über die es nur wenige belastbare Informationen zu Wirkung, Dosierung und Risiken gibt. Die tatsächlichen Inhaltsstoffe sind oft unbekannt und Verpackungsangaben sind häufig falsch oder irreführend. Hinzu kommt, dass die Zusammensetzung sich ständig ändern kann.
Generell gilt: Ein vermeintlich legaler Status sagt nichts über die Gefährlichkeit eines Produktes aus!
Wirkung
Das Wirkspektrum der synthetischen und halbsynthetischen Cannabinoide kann zum Teil deutlich von der Wirkung des Cannabis-Wirkstoffs THC abweichen. Der Rauschzustand wird oftmals als belastend, zu stark und anstrengend beschrieben. Dabei kann es zu starken körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen kommen, die für Cannabis eher untypisch und oft noch an den Folgetagen zu spüren sind.
Risiken und Nebenwirkungen
- Kreislaufbeschwerden
- Mundtrockenheit
- Übelkeit
- Schweißausbrüche
- Bluthochdruck
- Brustschmerzen
- Verwirrtheit
- unerwünschte Halluzinationen
- psychotische Zustände
- Panikattacken
- Herzrasen und Herzrhythmusstörungen
- Bewusstlosigkeit
- akute Psychosen
- Verschlechtern psychotischer Störungen bei vorbelasteten Personen
- Erhöhung des Lungenkrebsrisikos
Vergiftungen und Todesfälle
Bei einigen Konsumierenden sind nach dem Konsum von synthetischen Cannabinoiden schwere Vergiftungen aufgetreten, die notfallmedizinisch behandelt werden mussten.
Im Zusammenhang mit synthetischen Cannabinoiden wurden deutschland- und europaweit bereits zahlreiche Todesfälle dokumentiert. Besonders häufig beteiligt waren die Wirkstoffe MDMB-CHMICA, AB-FUBINACA, 5F-ADB, 5F-MDMB-PINACA, AB-CHMINACA und 5F-MDMB-PICA!
Nachwirkungen nach dem Abklingen der Wirkung (kann mehrere Tage anhalten)
- körperliche Erschöpfung
- Appetitlosigkeit
- Gleichgewichtsstörungen
- Wahrnehmungsstörungen
- Gedächtnislücken
- Taubheitsgefühle in den Fingern
- starke Kopfschmerzen
Bislang gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse über akute oder langfristige, gesundheitliche Folgewirkungen. Synthetische und halbsynthetische Cannabinoide sind weitgehend unerforscht!
Sie stehen unter Verdacht, gesundheitsschädlicher zu sein als herkömmliche Cannabis-Produkte. Es gibt erste Hinweise auf ein krebserregendes Potential und möglicherweise können sie auch Organe schädigen. Beim Rauchen entstehen zusätzlich Verbrennungsprodukte, die Atemwege und Lunge belasten und langfristig das Krebsrisiko erhöhen können.
Ferner weisen Studien darauf hin, dass synthetische Cannabinoide mit akuten Psychosen im Zusammenhang stehen und die Verschlimmerung von psychotischen Störungen unter besonders anfälligen Personengruppen zur Folge haben kann.
Risiko Überdosierungen
Die hohe Wirksamkeit einiger synthetischer Cannabinoide, die teilweise bis zu hundertfach stärker wirkten können als der Cannabiswirkstoff THC, sowie die schwankende Wirkstoffkonzentration der Inhaltsstoffe bergen das Risiko von Überdosierungen und unkalkulierbaren Wechselwirkungen.
Besonders bei Cannabis-Blüten, die mit synthetischen Cannabinoiden versetzt sind, besteht ein erhöhtes Risiko: Durch die ungleichmäßige Verteilung kann bereits eine einzelne Blüte deutlich mehr Wirkstoff enthalten als erwartet.
Um das Risiko einer ungewollten Überdosierung zu reduzieren, sollte neues Cannabis aus unbekannter Quelle vorsichtig angetestet und die Wirkung mindestens 15 Minuten abgewartet werden. Weicht die Wirkung ab, sollte der Konsum nicht fortgesetzt werden.
Bei Räuchermischungen, Esswaren und E-Liquids verändern die Hersteller im Zeitverlauf häufig die Zusammensetzung, so dass man bei wiederholtem Konsum eines bestimmten Produkts nicht mit der gewohnten Wirkung rechnen kann! Ein bekanntes Produkt kann ganz anders als erwartet wirken.
Riskanter Mischkonsum
Häufig werden synthetische Cannabinoide zeitgleich oder zeitnah mit Alkohol und/ oder anderen Substanzen gemischt. Beim Mischkonsum mit Alkohol ist die Kreislaufbelastung stark erhöht. In Kombination mit Benzos und anderen Downern (z.B. Opiaten) besteht das Risiko einer lebensbedrohlichen Atemdepression.
Diese Substanz-Kombinationen können eine extreme Belastung für Körper und Psyche bedeuten. Die Gefahr für lebensbedrohliche Drogennotfälle ist extrem erhöht. Man geht dabei ein unkalkulierbares, gesundheitliches Risiko ein!
Wir raten generell vom Mischkonsum ab!
Gefährlicher Bodensatz
Problematisch ist, dass sich die beigemengten Wirkstoffe bzw. chemischen Cannabinoide am Boden der Verpackung absetzen. Somit ist die letzte Konsumeinheit meist auch die Gefährlichste! Dieser hochkonzentrierte Bodensatz kann gefährliche Überdosierungen zur Folge haben.
Toleranzentwicklung und Abhängigkeit
Regelmäßiger Konsum kann zu einer raschen Toleranzentwicklung (schneller Gewöhnungseffekt) führen, d.h. um die erwünschte Wirkung zu erzielen, muss die Dosis gesteigert werden.
Ohne ausgeprägte Toleranz sollte man sich nicht am Konsumverhalten anderer orientieren. Personen mit regelmäßigem Konsum vertragen oft deutlich höhere Mengen, während Menschen mit geringer oder fehlender Toleranz bereits bei kleinen Dosen ein erhöhtes Risiko für Überdosierungen und starke Nebenwirkungen haben.
Oftmals ist ein starker Suchtdruck (Craving) mit Kontrollverlust zu beobachten. Zudem besitzen synthetische Cannabinoide ein hohes psychisches und körperliches Abhängigkeitspotential. Synthetische Cannabinoide sind keine Alternative zum Konsum von herkömmlichen, THC-haltigen Cannabis-Produkten. Vorsicht: Suchtverlagerung!
Entzug von synthetischen Cannabinoiden
Der Entzug von synthetischen Cannabinoiden wird von Konsumierenden als sehr belastend und als „harter Entzug“ beschrieben. Bereits nach kurzer Zeit können starke Entzugserscheinungen auftreten:
- Übelkeit und Erbrechen
- Durchfall
- Depressionen
- Schlafstörungen
- innere Unruhe
- Schüttelfrost
- extreme Stimmungsschwankungen
- Appetitlosigkeit
- Antriebslosigkeit
- Herz-Kreislaufprobleme
- Emotionslosigkeit
- Aggressionen
- starkes Craving (Suchtdruck)
Aufgrund der heftigen Entzugssymptome sollte ein Entzug von synthetischen Cannabinoiden niemals alleine, sondern unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden!
Nachweisbarkeit
Die meisten synthetischen und halbsynthetischen Cannabinoide sind in der Regel mit herkömmlichen Drogenschnelltests nicht nachweisbar. Bei speziellen Labortests können sie jedoch nachgewiesen werden.
Eine Garantie, dass diese Substanzen nicht nachgewiesen werden können, kann daher nicht gegeben werden!
Safer-Use-Hinweise
- Beachte, dass Produkte mit selben Markennamen völlig unterschiedliche Wirkungen und Nebenwirkungen haben können.
- Informiere dich so gut wie möglich über eine neue Substanz, bevor du sie konsumierst.
- Lass den Konsum nicht zur Gewohnheit werden, um einer Gewöhnung vorzubeugen.
- Konsumiere nie alleine, damit im Notfall jemand schnell Hilfe holen kann.
- Dosiere stets niedrig und warte die Wirkung ab. Viele synthetische Cannabinoide wirken als Voll-Agonisten – die aufgenommene Menge entfaltet ihre Wirkung nahezu vollständig. Dadurch kann es deutlich schneller zu Überdosierung kommen, die anders als bei natürlichem THC – lebensbedrohlich verlaufen können.
- Beachte, dass der Bodensatz durch ein Absetzen der Wirkstoffe eine höhere Konzentration haben kann.
- Verzichte auf Mischkonsum!
- Informiere dich so gut wie möglich über eine neue Substanz, bevor du sie konsumierst.
- Konsumiere nach Möglichkeit nur im Sitzen, um bei Kreislaufproblemen das Risiko für Stürze und Verletzungen zu reduzieren.
- Achte auf körperliche und psychische Warnzeichen und beende den Konsum frühzeitig.
- Nicht am Straßenverkehr teilnehmen (absolute Fahruntauglichkeit)!
Rechtsstatus
Die meisten synthetischen Cannabinoide unterliegen in Deutschland entweder dem Neue-Psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) oder dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG). Auch viele halbsynthetische Cannabinoide fallen inzwischen unter das Neue-Psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG). Die rechtliche Einordnung verändert sich laufend, da neue Stoffe und Stoffgruppen regelmäßig gesetzlich nachreguliert werden.

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