HIV und AIDS

HIV (Human Immunodeficiency Virus) ist ein Virus, das bestimmte Zellen des Immunsystems angreift und dadurch die körpereigene Abwehr schwächen kann.

Eine HIV-Infektion bedeutet nicht automatisch, an AIDS erkrankt zu sein. Unbehandelt kann HIV das Immunsystem über viele Jahre schädigen und schließlich zu AIDS führen. AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome) bezeichnet das fortgeschrittene Stadium einer HIV-Infektion, in dem das Immunsystem so stark geschwächt ist, dass bestimmte schwere Erkrankungen auftreten können.

Dank moderner Behandlungsmöglichkeiten ist HIV heute gut therapierbar. Wird eine HIV-Infektion früh erkannt und konsequent mit einer antiretroviralen Therapie (ART) behandelt, können Menschen mit HIV in der Regel ein langes und weitgehend normales Leben führen. Viele entwickeln dabei niemals AIDS.

Eine erfolgreiche HIV-Therapie senkt die Viruslast im Körper auf ein nicht nachweisbares Niveau. Menschen mit einer dauerhaft nicht nachweisbaren Viruslast übertragen HIV beim Sex nicht mehr. Dieses Prinzip wird als „U = U“ bezeichnet (Undetectable = Untransmittable bzw. nicht nachweisbar = nicht übertragbar).

Trotz großer medizinischer Fortschritte gibt es bislang keine Heilung für HIV. Durch eine frühzeitige Diagnose, eine wirksame Therapie und regelmäßige medizinische Betreuung lässt sich die Infektion jedoch sehr gut kontrollieren.

Wie wird HIV übertragen?

Für eine HIV-Übertragung müssen ausreichend Viren in den Körper gelangen. Das Virus wird vor allem über Blut, Sperma, Vaginalflüssigkeit und Muttermilch übertragen. Im Alltag besteht hingegen kein HIV-Risiko.

Sexuelle Übertragung

Die meisten HIV-Infektionen erfolgen durch ungeschützten Anal- oder Vaginalverkehr mit einer HIV-positiven Person, die keine wirksame HIV-Therapie erhält.

Ein HIV-Risiko besteht insbesondere bei:

  • Ungeschütztem Analverkehr
  • Ungeschütztem Vaginalverkehr
  • Kontakt von Schleimhäuten oder verletzter Haut mit HIV-haltigen Körperflüssigkeiten

Beim Oralverkehr gilt das Risiko einer HIV-Übertragung insgesamt als sehr gering. Es kann jedoch nicht vollständig ausgeschlossen werden, insbesondere wenn Blut (z. B. Menstruationsblut) im Spiel ist oder Verletzungen bzw. Entzündungen der Schleimhäute vorliegen. Verschiedene Faktoren, wie die Viruslast der HIV-positiven Person, der Kontakt mit Blut oder Verletzungen der Schleimhäute, können das individuelle Risiko beeinflussen. Speichel reduziert das Übertragungsrisiko, bietet aber keinen sicheren Schutz.

Menschen mit einer dauerhaft nicht nachweisbaren Viruslast übertragen HIV beim Sex nicht.

Übertragung beim Drogengebrauch

Ein erhöhtes HIV-Risiko besteht beim gemeinsamen Gebrauch von Spritzen, Nadeln oder anderen Utensilien zum Injizieren von Drogen. Bereits kleinste Blutreste können für eine Übertragung ausreichen.

Beim Teilen von Utensilien für den nasalen Konsum (z. B. Ziehröhrchen) gilt eine HIV-Übertragung als sehr unwahrscheinlich. Da es jedoch zu kleinen Verletzungen der Nasenschleimhaut und Blutkontakten kommen kann, sollten Konsumutensilien grundsätzlich nicht gemeinsam genutzt werden. Zudem können auf diesem Weg andere Infektionen wie Hepatitis B oder Hepatitis C übertragen werden.

Mutter-Kind-Übertragung

Ohne medizinische Behandlung kann HIV während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder durch das Stillen übertragen werden. Durch moderne Therapie- und Vorsorgemaßnahmen lässt sich das Risiko heute jedoch sehr stark reduzieren.

Tätowieren und Piercen

Bei professionell arbeitenden Tattoo- und Piercingstudios in Deutschland ist das Risiko einer HIV-Übertragung aufgrund strenger Hygienevorschriften äußerst gering.

Achte darauf, dass:

  • ausschließlich sterile oder Einmalinstrumente verwendet werden,
  • Haut und Schleimhäute vor dem Eingriff desinfiziert werden,
  • Einmalhandschuhe getragen werden,
  • Arbeitsflächen regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden.

Besondere Vorsicht ist bei Tätowierungen oder Piercings in Ländern geboten, in denen Hygienestandards nicht zuverlässig eingehalten werden.

Wie wird HIV nicht übertragen?

Im Alltag besteht kein Risiko, sich mit HIV anzustecken. HIV wird nicht durch alltägliche soziale Kontakte oder gemeinsam genutzte Gegenstände übertragen.

Eine HIV-Übertragung erfolgt nicht durch:

  • Küssen, Umarmen, Streicheln oder Händeschütteln
  • Husten, Niesen oder die gemeinsame Nutzung von Räumen
  • Die gemeinsame Benutzung von Geschirr, Besteck oder Trinkgefäßen
  • Toiletten, Schwimmbäder, Saunen oder öffentliche Verkehrsmittel
  • Mückenstiche oder andere Insekten
  • Schweiß, Tränen oder Speichel

HIV kann nur übertragen werden, wenn eine ausreichende Menge des Virus über bestimmte Körperflüssigkeiten – insbesondere Blut, Sperma, Vaginalflüssigkeit oder Muttermilch – in den Körper gelangt.

Wie hoch ist das Risiko, sich durch eine Bluttransfusion mit HIV zu infizieren?

Das Risiko, sich in Deutschland durch eine Bluttransfusion mit HIV zu infizieren, ist heute äußerst gering. Alle Blutspenden werden auf HIV sowie weitere Infektionskrankheiten untersucht. Zusätzlich sorgen moderne Testverfahren und strenge Sicherheitsstandards dafür, dass potenziell infektiöse Blutspenden in der Regel erkannt und ausgeschlossen werden.

Eine HIV-Übertragung durch Blutprodukte kann deshalb nicht vollständig ausgeschlossen werden, gilt jedoch als sehr selten.

Wenn du in Deutschland eine Bluttransfusion erhältst, ist das Risiko einer HIV-Infektion nach aktuellem Stand der Medizin äußerst gering.

Wie kannst du dich schützen?

Der wirksamste Schutz vor einer HIV-Übertragung beim Sex besteht in der Kombination verschiedener Safer-Sex-Strategien. Welche Methode passend ist, hängt von der individuellen Situation und den persönlichen Bedürfnissen ab.

Safer Sex

Kondome und Femidome bieten einen wirksamen Schutz vor HIV und vielen anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Besonders beim Vaginal- und Analverkehr können sie das Übertragungsrisiko deutlich reduzieren.

Achte darauf, nur Produkte mit gültigem CE-Kennzeichen zu verwenden. Vor der Benutzung sollten das Haltbarkeitsdatum und die Verpackung überprüft werden. Bei der Verwendung von Gleitmitteln eignen sich wasser- oder silikonbasierte Produkte, die für Kondome geeignet sind.

HIV-Therapie (U = U)

Menschen mit HIV, die erfolgreich behandelt werden und deren Viruslast dauerhaft unter der Nachweisgrenze liegt, übertragen HIV beim Sex nicht. Dieses Prinzip wird als „U = U“ bezeichnet (Undetectable = Untransmittable bzw. nicht nachweisbar = nicht übertragbar).

PrEP

Für Menschen mit einem erhöhten HIV-Risiko kann eine HIV-PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe) sinnvoll sein. Dabei werden HIV-Medikamente vorbeugend eingenommen, um eine Ansteckung zu verhindern. Die PrEP schützt sehr zuverlässig vor HIV, bietet jedoch keinen Schutz vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen.

Oralverkehr

Beim Oralverkehr gilt das HIV-Risiko insgesamt als sehr gering. Um das Risiko weiter zu reduzieren, kann darauf geachtet werden, dass Sperma, Vaginalsekret oder Menstruationsblut möglichst nicht in Mund oder Augen gelangen.

Nach einem möglichen Risikokontakt

Wenn ein Kondom gerissen ist, vergessen wurde oder ein anderer HIV-Risikokontakt stattgefunden hat, kann eine HIV-PEP (Post-Expositions-Prophylaxe) infrage kommen. Sie sollte möglichst schnell begonnen werden. Weitere Informationen findest du im Abschnitt „HIV-PEP“.

Von Darm- oder Scheidenspülungen nach einem Risikokontakt wird abgeraten, da sie die Schleimhäute reizen oder verletzen und dadurch das Infektionsrisiko erhöhen können.

 

HIV-PrEP: Was ist das?

PrEP ist die Abkürzung für Prä-Expositions-Prophylaxe. Dabei nehmen HIV-negative Menschen vorbeugend HIV-Medikamente ein, um sich vor einer HIV-Infektion zu schützen.

Die PrEP schützt bei korrekter Anwendung sehr zuverlässig vor HIV. Sie eignet sich insbesondere für Menschen, die ein erhöhtes HIV-Risiko haben.

In Deutschland werden für die PrEP heute verschiedene Medikamente eingesetzt. Die Verordnung, Begleitung und regelmäßige Kontrolle erfolgen durch entsprechend qualifizierte Ärzt*innen.

Vor Beginn einer PrEP muss durch einen HIV-Test sichergestellt werden, dass keine HIV-Infektion vorliegt. Darüber hinaus sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig. Dabei werden unter anderem die Nierenfunktion überprüft und Tests auf HIV sowie andere sexuell übertragbare Infektionen durchgeführt.

Die PrEP schützt ausschließlich vor HIV. Gegen andere sexuell übertragbare Infektionen wie Chlamydien, Gonorrhö (Tripper) oder Syphilis bietet sie keinen Schutz.

Für Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko werden die Kosten für die PrEP sowie die notwendigen Untersuchungen in Deutschland in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Von einer eigenständigen Beschaffung von Medikamenten ohne ärztliche Begleitung ist abzuraten. Eine gute Beratung und regelmäßige medizinische Kontrolle sind wichtige Bestandteile einer sicheren PrEP-Anwendung.

 

HIV-PEP: Was ist das?

PEP ist die Abkürzung für Post-Expositions-Prophylaxe. Sie kann nach einem möglichen HIV-Risikokontakt eingesetzt werden, um eine HIV-Infektion zu verhindern.

Eine PEP kommt beispielsweise infrage nach ungeschütztem Vaginal- oder Analverkehr mit einer HIV-positiven Person ohne wirksame Therapie oder nach anderen Situationen mit einem relevanten HIV-Übertragungsrisiko.

Dabei werden über einen Zeitraum von 28 Tagen HIV-Medikamente eingenommen. Ziel ist es, eine Vermehrung des Virus im Körper zu verhindern, bevor sich eine Infektion etablieren kann.

Wichtig ist, dass möglichst schnell nach dem Risikokontakt mit der PEP begonnen wird. Idealerweise erfolgt der Behandlungsbeginn innerhalb weniger Stunden. Nach 48 Stunden nimmt die Erfolgsaussicht deutlich ab. Spätestens nach 72 Stunden wird eine PEP in der Regel nicht mehr empfohlen.

Ob eine PEP im Einzelfall sinnvoll ist, sollte so schnell wie möglich ärztlich abgeklärt werden – beispielsweise in einer HIV-Schwerpunktpraxis, einer infektiologischen Ambulanz oder einer Notaufnahme.

Die Kosten für eine HIV-PEP werden bei einem tatsächlichen HIV-Risiko in der Regel von den Krankenkassen übernommen.

Eine PEP ersetzt keine Safer-Sex-Strategien und ist nicht als regelmäßige Schutzmaßnahme gedacht. Für Menschen mit wiederkehrenden HIV-Risiken kann eine HIV-PrEP die geeignetere Option sein.

Der HIV-Test

Ein HIV-Test kann klären, ob eine HIV-Infektion vorliegt oder nicht. Je nach Testverfahren kann HIV unterschiedlich früh nach einer möglichen Ansteckung nachgewiesen werden.

Die meisten Labortests der 4. Generation weisen sowohl Antikörper als auch Bestandteile des Virus nach. Mit diesen Tests kann eine HIV-Infektion in der Regel bereits sechs Wochen nach einem Risikokontakt zuverlässig ausgeschlossen werden.

Für HIV-Selbsttests und Schnelltests gelten längere Zeiträume. Hier sollte der letzte mögliche Risikokontakt mindestens zwölf Wochen zurückliegen, damit ein negatives Ergebnis als zuverlässig gilt.

Wichtig: Ein negatives Testergebnis bezieht sich immer auf den Zeitraum vor dem Test. Wenn nach dem relevanten Testzeitpunkt weitere Risikokontakte stattgefunden haben, kann trotz eines negativen Ergebnisses eine HIV-Infektion vorliegen.

HIV-Selbsttests und Schnelltests

HIV-Selbsttests ermöglichen eine anonyme und unkomplizierte Testung zu Hause. Wichtig ist, die Gebrauchsanweisung sorgfältig zu beachten und den empfohlenen Zeitraum seit dem letzten Risikokontakt einzuhalten.

Ein reaktives (positives) Ergebnis eines Selbsttests bedeutet noch keine gesicherte HIV-Diagnose. Es muss immer durch einen Labortest bestätigt werden.

Wer nach einem Risikokontakt unsicher ist oder eine individuelle Beratung wünscht, kann sich an eine HIV-Schwerpunktpraxis, die örtliche AIDS-Hilfe, das Gesundheitsamt oder andere Beratungsstellen wenden.

 

HIV-positiv – was nun?

Ein positiver HIV-Test kann zunächst viele Gefühle auslösen – zum Beispiel Verunsicherung, Angst, Wut oder Traurigkeit. Viele Menschen machen sich Sorgen um ihre Gesundheit, ihre Beziehungen oder ihre Zukunft. Solche Reaktionen sind verständlich.

Wichtig zu wissen: Eine HIV-Diagnose bedeutet heute nicht mehr das, was sie noch vor einigen Jahrzehnten bedeutet hat. Dank moderner Medikamente lässt sich HIV in der Regel sehr gut behandeln. Menschen mit HIV können bei frühzeitiger Diagnose und konsequenter Therapie meist ein langes und selbstbestimmtes Leben führen.

Nach einer gesicherten HIV-Diagnose sollte zeitnah eine HIV-Schwerpunktpraxis aufgesucht werden. Dort können die notwendigen Untersuchungen durchgeführt und die Behandlung geplant werden. Die heute verfügbaren HIV-Medikamente sind in der Regel gut verträglich und können die Vermehrung des Virus dauerhaft unterdrücken.

Menschen mit einer wirksamen HIV-Therapie und dauerhaft nicht nachweisbarer Viruslast übertragen HIV beim Sex nicht (U = U: nicht nachweisbar = nicht übertragbar).

Niemand muss mit einer HIV-Diagnose allein bleiben. Beratung, medizinische Begleitung und psychosoziale Unterstützung bieten unter anderem HIV-Schwerpunktpraxen, AIDS-Hilfen, Gesundheitsämter und spezialisierte Beratungsstellen an.

Weitere Informationen und Beratung

Wenn du Fragen zu HIV hast oder Unterstützung suchst, kann ein persönliches Beratungsgespräch helfen, Unsicherheiten abzubauen und die nächsten Schritte zu planen.

MitSicherheitBesser

Weiter Informationen zu HIV und AIDS findest du auch unter MitSicherheitbesser.de

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