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1. Juni 2026 In Aktuelles, FAQ - Alles über Drogen, Substanzwarnungen

20. Video-Folge Dr. Schepper antwortet: Risiken beim Drogenkauf im Netz

Virtueller Infostand – Folge 20 Drogen online aus dem Internet kaufen (verschoben)

Drogen aus dem Netz: Safe?

Drogen im Internet zu finden, war noch nie so einfach wie heute. Über Social Media, Messenger-Dienste oder scheinbar professionelle Online-Shops wirken viele Angebote auf den ersten Blick seriös, gut bewertet und „sicher“. Gerade für junge Menschen kann das den Eindruck vermitteln, dass der Konsum kalkulierbar oder sogar risikofrei ist.

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Drogen im Netz: Die Realität sieht oft anders aus

Substanzen aus dem Netz sind in ihrer Zusammensetzung meist unklar. Wirkstoffgehalte können stark schwanken, Streckstoffe oder andere Beimischungen sind nicht transparent – und eine verlässliche Qualitätskontrolle gibt es in der Regel nicht. Dazu kommt, dass viele Informationen, die online kursieren, auf persönlichen Erfahrungsberichten basieren oder gezielt beschönigt werden. Risiken, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen – zum Beispiel mit Alkohol oder Medikamenten – werden dabei häufig unterschätzt oder gar nicht erwähnt.

Ein weiterer Punkt: Die scheinbar niedrige Zugangsschwelle kann dazu führen, dass Konsum schneller, spontaner und weniger reflektiert stattfindet. Wenn etwas jederzeit verfügbar ist, verändert das auch, wie wir damit umgehen. Gleichzeitig fehlen oft wichtige Schutzfaktoren – wie Austausch mit erfahrenen Personen, verlässliche Informationen oder eine realistische Einschätzung von Dosis und Wirkung.Drogen aus dem Netz: Safe?

Drogen aus dem Internet: Informationen, Risiken und Mythen

In diesem Video informiert Dr. Schepper darüber, wie Drogen im Netz präsentiert werden, welche typischen Mythen und Fehleinschätzungen es gibt und welche konkreten Risiken damit verbunden sind. Außerdem geht es darum, wie ihr Informationen besser einordnen könnt und woran ihr erkennt, ob eine Quelle vertrauenswürdig ist oder nicht.

Unser Ziel ist es nicht, euch vorzuschreiben, was ihr tun sollt. Wir möchten euch dabei unterstützen, informierte Entscheidungen zu treffen und Risiken besser einschätzen zu können.

Mehr Infos zum Thema findet ihr hier:
https://mindzone.info/beratung/drogen-im-netz/

Transkript zum Video 

Hallo und herzlich willkommen am virtuellen Infostand von Projekt MindZone.
Ich bin Dr. Schepper und freue mich immer auf eure Fragen und Einsendungen.

Heute widmen wir uns mal einem Thema, das seit ungefähr 20 Jahren immer weiter an Bedeutung gewonnen hat, nämlich der Verkauf von psychoaktiven Substanzen im Internet, beziehungsweise allgemein über digitale Wege. Hier hat sich noch mal viel getan.

Ich möchte euch gerne mit auf eine kleine Zeitreise nehmen zurück ins Jahr 2013, beispielsweise zum schönen Onlineshop www.shinyflakes.com. Maximilian Schmidt hat damals einen Drogenshop im Clearnet aufgebaut und war damit sehr, sehr erfolgreich. Auch wenn es für ihn nur zweieinhalb Jahre gut ging und er eine langjährige Haftstrafe bekommen hat, hat das sehr viele Nachahmer angezogen. Und seitdem, das war für mich der große Startschuss, wo immer mehr Shops auch im Clearnet, im ganz normalen Internet angefangen haben, Substanzen zu verkaufen. Als erstes könnten wir, glaube ich, hier mal die großen Verkäufer der damaligen sogenannten Legal Highs und Research Chemicals in den Fokus nehmen. Grundsätzlich handelt es hier um sogenannte neue psychoaktive Substanzen.

Gerade diese Fertigprodukte, also diese Legal Highs, kleine bunte Tütchen, wo, tja, alles mögliche draufsteht, aber niemals der Inhaltsstoff und schon gar nicht die Konzentration des Inhaltsstoffes, birgen besondere Risiken. In Laboranalysen konnte eben bewiesen werden, dass wir sehr große Wirkstoffschwankungen in den Päckchen haben. Es konnte auch bewiesen werden, dass Hersteller öftersmals den psychoaktiven Wirkstoff in diesen Päckchen verändern bei gleichbleibender Verpackung, was die Risiken für Konsumenten nochmal deutlich hebt. Und es konnte eben auch bewiesen werden durch Laboranalysen, durch ziemlich viele, dass Hersteller Wirkstoffe austauschen, aber sich anscheinend selber nicht klar sind, wie stark welcher Wirkstoff eigentlich wirkt. Also hier kam es zu bösen Vergiftungserscheinungen.

Der mittlerweile wesentlich größere Markt ist der Markt der Research Chemicals, der sogenannten Forschungschemikalien. Hier handelt es sich um Reinsubstanzen, die man aus dem Internet bestellen kann. Der große Vorteil für Konsumierende ist, dass man wenigstens weiß, welche Substanz man konsumiert und eher auch mit der Dosis arbeiten kann und auf safer use mehr Wert legen kann, was bei den Fertigpäckchens hier nicht möglich ist. Das ist immer ein Überraschungsei. Aber auch hier kam es zu bedrohlichen Vergiftungen, weil beispielsweise der Mensch in China den falschen Aufkleber auf das Päckchen geklebt hat bzw. eine andere Substanz verschickt wurde, als bestellt wurde. Allgemein, dieser Markt birgt besondere Risiken, weil diese Stoffe alle miteinander pharmakologisch meistens sehr schlecht erforscht sind.

Bedeutet, wir haben kaum gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse zu diesen Stoffen. Die meisten der Substanzen wurden, wenn überhaupt, rein zur Grundlagenforschung ohne medizinischen Hintergrund entwickelt und viele wichtige Versuche stehen hier einfach noch aus. Einige der Substanzen waren rein in Zellkulturversuchen im Labor, manche wurden auch schon an Tieren getestet, aber ich kann mal behaupten, jeder Mensch, der das einnimmt, macht sich selbst zum Versuchskaninchen. Und da geht hier immer ein unbekanntes gesundheitliches Risiko ein, weil pharmakologisch nicht erforscht. Generell sind aber diese Shops im Clearnet weit verbreitet.

Eine große Gefahr ist natürlich, dass ihr auf einen Scam reinfallt. Also ganz viele Shops haben Substanzen angeboten, legale oder illegale, und tun so, als würden sie Ecstasy, Kokain oder sonst irgendwas verkaufen. Gerne bieten sie euch eine Zahlung per Kreditkarte an oder per Bitcoin oder irgendwas. Nur werdet ihr von diesen Shops nie etwas geliefert bekommen. Und auch verzichtet auf eine Anzeige bei der Polizei, wenn der Lieferant das Koks nicht geliefert hat, das ihr gerade bestellt habt. Ihr schafft euch weiter rechtliche Probleme.

Ein anderes großes Feld wäre nochmal der Handel über Messenger-Dienste. Auch der hat in den letzten fünf bis zehn Jahren ordentlich an Bedeutung nochmal zugelegt. Bei Messenger-Diensten, egal ob WhatsApp, Snapchat, Telegram, TikTok und wie sie alle heißen, finden wir mittlerweile auch regelmäßig Angeboten zu psychoaktiven Substanzen. Meist wird hier eben über einen verschlüsselten Chat ein Kontakt nochmal hergestellt oder man braucht eine Einladung, um in eine geschlossene Gruppe reinzukommen. Und hat hier dann eben verschiedenste Angebote von legalen oder auch illegalen Substanzen. Auch hier generell. Bedenkt immer, ihr bewegt euch auf einem Markt, die keine Qualitätskontrollen und nichts dergleichen nochmal vorweisen kann.

Also ihr wisst nie genau, was ihr bekommt, ob euer Koks verstreckte ist, ob die Pillen wirklich MDMA enthalten oder das Weed, das ihr gerade gekauft habt, nicht vielleicht doch mit synthetischen Cannabinoiden belastet ist.

Also das ist ein Problem grundsätzlich des Drogenmarktes, ganz egal ob legal oder illegal.

Weiter haben wir nochmal einen großen Markt, würde ich sagen, der viel Geld einspielt, aber auch ein bisschen komplexer ist, gerade auch für Userinnen und User. Und das ist der Markt über das sogenannte Darknet.

Das Darknet erreicht ihr nur über eigene Netzwerkbrowser, könnt ihr nochmal sagen, über eigene Systeme wie den Tor-Browser beispielsweise, oder das Tor-System und eigenen Suchmaschinen wie Grams oder viele weitere. Hier habt ihr eine gewisse Anonymität, wenn ihr technisch sehr versiert seid. Also einfach nur über den Tor-Netzwerkbrowser ins sogenannte Darknet gehen und dann wild auf Drogenmarktplätzen rumschauen, kann euch auch tierisch auf die Füße fallen, weil auch Strafrechtsbehörden immer besser werden.

Auch der Zoll ist hier nochmal sehr interessiert und in den letzten Jahren sind auch immer wieder große Marktplätze lahmgelegt worden. Auch habt ihr immer die Gefahr eines Exit-Scams, sprich ihr zahlt Geld ein, die Plattform schaltet alles ab und die Treiber machen sich ein schönes Leben mit euren Bitcoins.

Auch was viele Plattformen gemeinsam haben, ist eine unseriöse Werbung. Viele Verkäufer versprechen euch das Blaue vom Himmel und verkaufen einfach unerforschte Chemikalien oder auch nicht genauer verifizierte Drogen. Ihr könnt da immer reinfallen und fallt nicht auf Versprechen rein wie Laborgetestet, 100% rein, natürlichen Ursprungs, pflanzlich oder sonst irgendwas. Das sind alles Werbemaßnahmen, um euch das Geld nochmal in der Tasche lockerer zu machen. Häufig haben wir jetzt auch so ein Lifestyle- und Modeangebot, wo verschiedene Anbieter versuchen euch durch den Verkauf von unerforschten Chemikalien noch ein Gesundheitsversprechen noch mit anzudichten. Auch hier ist nochmal eine große Vorsicht geboten vor unseriösen Anbietern.

Auch gerade im psychedelischen Bereich leben wir in einer Renaissance. Seit mindestens zehn Jahren kann man verschiedene LSD-Derivate meistens legal erwerben. Am Anfang war es 1P-LSD, gefolgt von 1C-PLSD, gefolgt von 1D-LSD, gefolgt von T-LSD, von S-LSD, von V-LSD. Jetzt sind wir bei FE- und BP-LSD. Lustigerweise sind die Derivate erst nicht mal sechs Monate auf dem Markt. Verschiedene Shops haben die aber auch schon mit, hm, würde ich mal sagen, heilender Wirkung nochmal beworben. Lasst euch hier nicht aufs Glatteis führen, diese Substanzen sind einfach schlichtweg bisher sehr schlecht erforscht. Ich kenne keine humane Studie, in denen diese Substanzen bisher getestet wurden.

Auch haben wir viele Psychedelika mittlerweile, wenn ihr mich fragt, da wo sie hingehören, in medizinischem Einsatz, beziehungsweise werden sie erprobt, ob sie auch als Medikamente ihren Dienst an der Menschheit leisten können. Und das sind super spannende Forschungen. Allerdings ist es was anderes, ob jetzt eine Charité Berlin oder ein Zentrum für seelische Gesundheit in Mannheim eine Studie auflegt, oder ob euch irgendein Internetanbieter gegen die Zahlung von 400 bis 1000 Euro ein Retreat-Wochenende irgendwo anbietet.

Hier habt ihr große qualitative Unterschiede und im Zweifelsfall kann ich nicht, würde ich die Hand dafür nicht ins Feuer legen, dass der Wochenendanbieter auch im Nachhinein für eure psychische Gesundheit sorgt und das Ganze auch wirklich nochmal gut begleitet. Gute Studien haben immer hohe Zugangskontrollen, das ist leider noch so. Wir befinden uns jetzt erst in der Phase 2, wechseln gerade in der Phase 3 Studie zu Medikamenten. Erst mit Phase 3 werden auch größere Stichproben gemacht.

Sowas ist gerade in Deutschland in Vorbereitung mit dem Stoff Psilocybin beispielsweise, mit der Mind Foundation und verschiedenen anderen Kliniken nochmal im Gepäck wird das gerade nochmal in den Fokus genommen.

Also Vorsicht vor irgendwelchen Versprechen, die unerforschte Substanzen in diesem Rahmen schwer halten können. Achtet auf eure Gesundheit, gerade wenn es euch nicht gut geht, rate ich grundsätzlich vom Konsum psychoaktiver Substanzen ab.

Sprecht mit euren Ärzten, sucht euch dort Hilfe. Wir haben in Deutschland eigentlich ein ganz gutes Gesundheitssystem und wenn ihr eine Krankenversicherung habt, dann habt ihr eh den Jackpot und könnt hier sehr viele Angebote nochmal in Anspruch nehmen, die euch in der Richtung besser weiterhelfen können, als irgendwelche unerforschten Chemikalien aus dem Internet zu nehmen und dann hoffen, dass die Depression wieder weggeht.

Achtet auf euch, passt auf euch auf, schickt mir eure Kommentare. Habt ihr schon mal Drogen im Internet gekauft? Seid ihr schon mal von einer Seite zumindest zum Überlegen gekommen? Und wie seht ihr einfach den Markt, der sich hier in den letzten 20 Jahren etabliert hat? Der so schnell wächst, dass ich einfach nur noch staunen kann.

Ich freue mich auf eure Einsendungen.

Habt euch lieb, vermehret euch.

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